Daily Journal Corporation

Hinter Daily Journal (DJCO) verbirgt sich ein rasant wachsender GovTech-Spezialist. Konservative Bilanzierung verdeckt die wahre Profitabilität, während ein 500 Mio. $ Portfolio das Risiko minimiert. Ein missverstandener Compounder, der weit unter dem Wert seiner Software-Assets handelt.

Daily Journal Corporation

Transformation vom Verlag zum Software-Compounder

Anlegerlogbuch · Daily Journal Corporation - Charlie Mungers verborgener Schatz

Zusammenfassung

Die Daily Journal Corporation (DJCO) stellt am US-Kapitalmarkt eine bemerkenswerte Anomalie dar. Historisch primär als Zeitungsverlag und Anlagevehikel des verstorbenen Vizepräsidenten von Berkshire Hathaway, Charles T. Munger, wahrgenommen, befindet sich das Unternehmen in einer fortgeschrittenen Phase der Metamorphose zu einem spezialisierten Softwareanbieter für den öffentlichen Sektor (GovTech). Zum Ende des Geschäftsjahres 2025 (Stichtag 30. September) meldete das Unternehmen einen konsolidierten Umsatz von 87,7 Millionen USD, was einem signifikanten Wachstum von 25 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.1

Meine Annahme ist, dass der Markt den inneren Wert der Software-Sparte "Journal Technologies" aufgrund einer idiosynkratischen Rechnungslegungspraktik und der komplexen Struktur des Konglomerats systematisch unterschätzt. Obwohl Unternehmen wie Tyler Technologies mit hohen Umsatzmultiplikatoren gehandelt werden, wird DJCO oft noch als Holdinggesellschaft mit einem angehängten Softwarearm angesehen. Eine Untersuchung der Finanzdaten aus 2024 und 2025 belegt jedoch, dass wir den "Tipping Point" erreicht haben: Das Softwaresegment wächst organisch mit über 30 %, die Implementierungszyklen verkürzen sich und der operative Hebel beginnt zu wirken. Das liquide Wertpapierportfolio von fast einer halben Milliarde Dollar bietet gleichzeitig eine einzigartige Sicherheitsmarge, die in der Softwarebranche seinesgleichen sucht.

Diese Analyse umfasst eine eingehende Untersuchung der Wettbewerbsposition im Vergleich zu Tyler Technologies, eine detaillierte Betrachtung der Kostenstruktur angesichts der Kritik von aktivistischen Investoren (Buxton Helmsley) sowie eine Sum-of-the-Parts-Bewertung (SOTP), um das echte Risiko-Rendite-Profil zu enthüllen.

1. Geschäftsmodell: Ein Hybrid aus drei Welten

Das Geschäftsmodell der Daily Journal Corporation lässt sich nicht mit einer einzelnen Branchenklassifizierung erfassen. Es handelt sich um ein operatives Konglomerat, das auf drei distinctiven Säulen ruht, deren Cashflows und Kapitalbedürfnisse eng miteinander verwoben sind. Um die wirtschaftliche Realität des Unternehmens zu verstehen, muss jede Säule isoliert betrachtet werden, bevor die Synergien – oder deren Fehlen – bewertet werden können.

1.1 Journal Technologies: Der Wachstumsmotor (GovTech SaaS)

Die operative Zukunft und der primäre Wachstumstreiber des Unternehmens ist die hundertprozentige Tochtergesellschaft Journal Technologies, Inc. (JTI). Dieses Segment hat sich von einem experimentellen Venture zu einem dominanten Spieler im Nischenmarkt für Justizsoftware entwickelt.

  • Kernangebot: JTI entwickelt und vertreibt eine integrierte Suite von Fallmanagement-Software (Case Management Systems - CMS) für Gerichte und Justizbehörden. Die Hauptprodukte umfassen eCourt, eProsecutor, eDefender und eProbation. Diese Systeme digitalisieren den gesamten Lebenszyklus eines Rechtsfalls – von der Einreichung der Klage (e-Filing) über die Terminverwaltung und Beweismittelspeicherung bis hin zur Urteilsverkündung und Bewährungsüberwachung.3
  • Marktdurchdringung: JTI bedient mittlerweile über 400 Gerichte und Justizbehörden in 42 US-Bundesstaaten sowie internationale Kunden in Kanada und Australien.4 Zu den Kunden zählen Schwergewichte wie der Los Angeles Superior Court, eines der größten Gerichtssysteme der Welt.
  • Vertriebsmodell: Das Geschäftsmodell basiert auf langfristigen Verträgen mit staatlichen Stellen. Der Vertriebsprozess erfolgt meist über komplexe öffentliche Ausschreibungen (RFPs), was zu langen Verkaufszyklen, aber auch zu extrem stabilen Kundenbeziehungen führt. Die Software wird zunehmend als Service (SaaS) bereitgestellt, wobei auch hybride Modelle und On-Premise-Lösungen existieren, um den spezifischen Sicherheitsbedürfnissen der Justiz gerecht zu werden.

1.2 Das Traditionelle Geschäft: Die regulierte Cash-Cow

Das ursprüngliche Zeitungsgeschäft, welches dem Unternehmen seinen Namen gab, umfasst Publikationen wie das Los Angeles Daily Journal und das San Francisco Daily Journal.

  • Ökonomische Funktion: Anders als klassische Tageszeitungen, die unter dem Wegbrechen von Werbeeinnahmen leiden, operiert DJCO in einer geschützten Nische. Die Zeitungen dienen als offizielles Organ für gesetzlich vorgeschriebene öffentliche Bekanntmachungen (Public Notice Advertising). Nach kalifornischem Recht müssen bestimmte juristische Vorgänge (Zwangsversteigerungen, Nachlassverfahren, Namensänderungen) in einer "Zeitung allgemeiner Verbreitung" veröffentlicht werden.3
  • Resilienz: Trotz der digitalen Disruption im Mediensektor stiegen die Einnahmen in diesem Segment im Geschäftsjahr 2025 um 6 % auf 17,8 Millionen USD.1 Dies deutet auf eine signifikante Preissetzungsmacht hin, da die Anzahl der physischen Abonnenten tendenziell stagniert oder leicht rückläufig ist (von 5.687 auf 5.681 Abonnenten 6). Das Segment fungiert als stabiler Cashflow-Generator mit minimalem Kapitalbedarf (Capex).

1.3 Das Investmentportfolio: Die Kapitalbasis

Die dritte Säule ist das von Charlie Munger aufgebaute Wertpapierportfolio. Es fungiert als interne "Bank" und Sicherheitsnetz.

  • Strategie: Das Portfolio ist extrem konzentriert und spiegelt Mungers Philosophie des "Lollapalooza"-Effekts wider – das Wetten auf wenige, hochwahrscheinliche Ergebnisse.
  • Bestände: Zum Ende des dritten Quartals 2024 bestand das Portfolio fast ausschließlich aus Bankaktien (Wells Fargo, Bank of America, U.S. Bancorp) und einer signifikanten Position in Alibaba.7 Diese Bestände werden nicht aktiv gehandelt, sondern über Jahrzehnte gehalten, um Steuerzahlungen auf unrealisierte Gewinne zu stunden und von der Zinseszins-Entwicklung zu profitieren.

2. Einnahmenqualität

Die Analyse der Einnahmenqualität (Quality of Earnings) ist entscheidend, um zu verstehen, ob das berichtete Wachstum von 25 % im Jahr 2025 nachhaltig ist oder durch Einmaleffekte getrieben wurde. Die Daten deuten auf eine strukturelle Verbesserung des Einnahmenmixes hin.

2.1 Verschiebung zu wiederkehrenden Umsätzen

Der Gesamtumsatz sprang von 69,9 Millionen USD im Vorjahr auf 87,7 Millionen USD in 2025.1 Entscheidend ist die Zusammensetzung dieses Wachstums innerhalb von Journal Technologies (JTI), das 69,9 Millionen USD zum Gesamtumsatz beitrug (+32 %).

Umsatzart (JTI)

Wachstum Y/Y

Analyse der Qualität

Lizenz- und Wartungsgebühren

+12 %

Hoch. Dies ist der "heilige Gral" im Softwaregeschäft. Diese Einnahmen sind wiederkehrend, margenstark und zeigen, dass die installierte Basis wächst und Kundenverträge erneuert werden.

Beratungsgebühren (Consulting)

+51 %

Mittel. Dieser massive Anstieg ist zweischneidig. Einerseits sind Consulting-Einnahmen oft einmalig (bei Implementierung) und margenschwach. Andererseits sind sie ein vorlaufender Indikator für zukünftige Lizenzumsätze.

Public Service Fees

+59 %

Hoch. Transaktionsbasierte Gebühren (z.B. für e-Filing oder Online-Zahlungen), die mit der Nutzung der Systeme skalieren. Dies deutet auf eine hohe Akzeptanz und Nutzung der Plattformen hin.

Interpretation: Der überproportionale Anstieg bei Consulting (+51 %) und Public Service Fees (+59 %) im Vergleich zu Lizenzen (+12 %) 1 signalisiert, dass sich JTI in einer intensiven "Go-Live"-Phase befindet. Große Projekte, die über Jahre im Auftragsbestand schlummerten, werden nun implementiert. Sobald diese Projekte abgeschlossen sind, werden die einmaligen Consulting-Umsätze in hochmargige, wiederkehrende Wartungs- und Lizenzumsätze konvertiert. Die Einnahmenqualität ist daher steigend, auch wenn der aktuelle Mix durch implementierungsbedingte Dienstleistungsumsätze "verwässert" scheint.

2.2 Stickiness und Kundenbindung

Die Qualität der Einnahmen wird durch die Natur der Kundenbasis untermauert. Regierungsbehörden weisen eine extrem niedrige Abwanderungsrate (Churn) auf. Ein Gerichtssystem zu ersetzen ist ein mehrjähriges, millionenschweres Unterfangen mit hohem politischem Risiko. Sobald JTI implementiert ist, fließt der Umsatz quasi peruanisch. Dies unterscheidet DJCO von kommerziellen B2B-SaaS-Anbietern, die ständig um die Erneuerung ihrer Verträge kämpfen müssen. Die 17 neu gewonnenen Mehrjahresverträge im Jahr 2025 2 zementieren zukünftige Cashflows weit in die 2030er Jahre hinein.


3. Kostenstruktur und das Rechnungslegungs-Paradoxon

Die Kostenstruktur der Daily Journal Corporation ist der kontroverseste Aspekt der Unternehmensanalyse und steht im Zentrum der Kritik aktivistischer Investoren wie Buxton Helmsley. Um die wahre Ertragskraft zu verstehen, muss man die Diskrepanz zwischen GAAP-Reporting und ökonomischer Realität bereinigen.

3.1 Die Kontroverse: Expensing vs. Capitalizing

Im Gegensatz zum Branchenstandard aktiviert DJCO seine Softwareentwicklungskosten fast gar nicht.

  • Die Richtlinie 3: Das Unternehmen folgt streng ASC 985-20, legt den Begriff "technologische Machbarkeit" (Technological Feasibility) jedoch extrem konservativ aus. Das Management argumentiert, dass aufgrund der agilen Entwicklungsmethode die Machbarkeit erst kurz vor dem Release feststeht. Folglich werden Millionen an Entwicklergehältern sofort als Aufwand (OpEx) verbucht, statt als Investition (CapEx) in die Bilanz zu wandern.
  • Der Vergleich: Ein Wettbewerber wie Tyler Technologies aktiviert regelmäßig signifikante Teile seiner Entwicklungskosten. Dies glättet die Gewinne und erhöht das ausgewiesene EBITDA.
  • Die Auswirkung auf DJCO:
  1. Künstlich niedrige Gewinne: Da Investitionen in Wachstum (Softwarecode) wie laufende Kosten behandelt werden, erscheint die operative Marge von JTI (ca. 10–14 %) 2 deutlich niedriger als die "bereinigte" Marge.
  2. Steuervorteil: Durch die sofortige Abschreibung reduziert DJCO den steuerbaren Gewinn und maximiert den Cashflow – eine klassische Strategie von "Owner-Operators", die den inneren Wert über ausgewiesene Buchgewinne stellen.

3.2 Die Aktivisten-Kritik (Buxton Helmsley)

Die Investmentfirma Buxton Helmsley wirft dem Management vor, durch diese Praxis Vermögenswerte zu "verstecken" und die Bilanzqualität zu verfälschen.9

  • Argument: Die entwickelte Software stellt ein geistiges Eigentum (IP) von enormem Wert dar, das in der Bilanz mit 0 USD (oder nahe 0) steht. Dies führt zu einer Unterbewertung der Aktie, da quantitative Screening-Tools das Unternehmen als unprofitabel oder teuer einstufen.
  • Gegenargument des Managements: Die konservative Bilanzierung ist "ehrlicher", da Software schnell veraltet. Es verhindert das Risiko, dass die Bilanz mit "Luftbuchungen" (intangible assets) aufgebläht wird, die später massiv abgeschrieben werden müssten.

3.3 Operative Kostenentwicklung

Die Betriebsausgaben stiegen im Einklang mit dem Umsatz. Insbesondere die Gründung der Tochtergesellschaft in Victoria, Kanada 5, zielt darauf ab, qualifizierte Softwareentwickler in einem kostengünstigeren Arbeitsmarkt als Kalifornien zu rekrutieren. Dies ist ein strategischer Hebel, um die Margen langfristig zu verbessern, da die Lohnkosten den größten Block der OpEx darstellen.


4. Kapitalstruktur und Bilanz

Die Bilanz von DJCO gleicht eher einem Hedgefonds als einem Softwareunternehmen. Sie ist extrem robust, aber komplex strukturiert.

4.1 Aktiva: Das doppelte Sicherheitsnetz

  • Cash & Wertpapiere: Zum 30. September 2025 hielt das Unternehmen marktgängige Wertpapiere im Wert von 493,0 Millionen USD.1 Dies entspricht – je nach Tageskurs der DJCO-Aktie – oft 60 % bis 70 % der gesamten Marktkapitalisierung.
  • Implikation: Investoren kaufen das operative Geschäft (Software + Zeitungen) effektiv zu einem Bruchteil des Preises, da ein Großteil des Aktienkurses durch liquide Mittel gedeckt ist.

4.2 Passiva: Der Margin Loan

Das Unternehmen nutzt einen Margin-Kredit (Wertpapierbeleihung), um Liquidität zu generieren, ohne Aktien verkaufen zu müssen (was Steuern auslösen würde).

  • Mechanik: Die Aktien von Wells Fargo und Bank of America dienen als Sicherheit.
  • Entwicklung: Im Jahr 2025 wurden 5,5 Millionen USD des Kredits getilgt.3 Der Zinssatz ist variabel, was in der Hochzinsphase 2023/2024 die Zinsaufwendungen erhöhte. Dennoch ist das Loan-to-Value-Verhältnis (LTV) extrem konservativ, sodass ein "Margin Call" auch bei einem starken Börsencrash unwahrscheinlich bleibt.

4.3 Eigenkapital

Das ausgewiesene Eigenkapital (Book Value) ist irreführend niedrig, da (1) die Software-Assets fehlen und (2) latente Steuern auf die Aktiengewinne passiviert sind. Die Anzahl der ausstehenden Aktien ist mit ca. 1,38 Millionen extrem gering.10 Es gibt kaum Verwässerung durch Aktienoptionen im großen Stil, was die Anteile der Aktionäre schützt.


5. Wachstum: Auftragsbestand und Skalierung

DJCO hat den Modus "Warten auf Godot" verlassen. Jahrelang wuchs der Umsatz kaum, während das Management von einem wachsenden Auftragsbestand sprach. 2025 markiert die Wende.

5.1 Der Backlog-Index

Das Unternehmen veröffentlicht keine absoluten Dollar-Werte für den Auftragsbestand, sondern einen Index. Dieser stieg im September 2024 auf einen Wert von 512,49 (Basisjahr 2013 = 100), gegenüber 387 im Vorjahr.11

  • Bedeutung: Ein Anstieg des Index um über 30 % korreliert direkt mit dem zukünftigen Umsatzwachstum. Da die Implementierung oft 12–24 Monate dauert, bietet dieser Index eine hohe Visibilität für das Wachstum bis 2026 und 2027.

5.2 Treiber des Wachstums

  1. Modernisierungsdruck: Tausende Gerichte in den USA arbeiten noch mit Papier oder Mainframe-Systemen aus den 80er Jahren. Der Druck zur Digitalisierung (Remote-Verhandlungen, e-Filing für Anwälte) ist unaufhaltsam.
  2. Marktanteilsgewinne: JTI gewinnt Ausschreibungen gegen etablierte Player. Die Referenzkunden in Kalifornien (LA, San Diego, Orange County) dienen als mächtiges Marketinginstrument für andere Bundesstaaten und Länder (Australien).
  3. Preissetzung: In neuen Verträgen kann JTI höhere Preise durchsetzen, da die Komplexität der Anforderungen steigt und die Inflation in die Verträge eingepreist wird (Inflation Escalators).

6. Wettbewerbsvorteile (Moat)

DJCO verfügt über tiefe, strukturelle Wettbewerbsvorteile, die das Geschäft vor Konkurrenz schützen.

6.1 Hohe Wechselkosten (Switching Costs)

Dies ist der stärkste Burggraben. Software für Gerichte ist missionskritisch. Ein Ausfall bedeutet den Stillstand des Rechtsstaats.

  • Lock-In-Effekt: Die Datenmigration von Millionen von historischen Fällen ist riskant und teuer. Das Training von hunderten Richtern und Gerichtsschreibern auf ein neues System ist ein logistischer Albtraum.
  • Konsequenz: Sobald JTI installiert ist, bleibt der Kunde oft für Jahrzehnte. Die Churn-Rate tendiert gegen Null. Selbst wenn Wettbewerber ein technologisch besseres Produkt hätten, würden Gerichte nicht wechseln, solange das JTI-System funktioniert ("Never change a running system").

6.2 Netzwerkeffekte

In Regionen wie Kalifornien, wo JTI viele benachbarte Jurisdiktionen (Counties) bedient, entstehen lokale Netzwerkeffekte. Anwaltskanzleien, die in mehreren Counties tätig sind, drängen auf einheitliche Schnittstellen für das e-Filing. Staatsanwaltschaften und Polizeibehörden profitieren vom Datenaustausch zwischen JTI-Systemen. Je mehr Counties JTI nutzen, desto wertvoller wird das Netzwerk für alle Teilnehmer.

6.3 Regulatorische Nische (Zeitungen)

Das Zeitungsgeschäft ist durch Gesetze geschützt. Die Hürde für neue Wettbewerber, den Status einer "Zeitung allgemeiner Verbreitung" zu erlangen, ist hoch und lohnt sich wirtschaftlich kaum für Neueinsteiger in einem schrumpfenden Printmarkt. Dies garantiert DJCO ein Monopol oder Duopol in seinen Kernregionen für öffentliche Bekanntmachungen.


7. Branchenanalyse: Der GovTech-Sektor & Tyler Technologies

Um DJCO zu bewerten, ist ein Vergleich mit dem Marktführer Tyler Technologies (TYL) unerlässlich. Der Markt für Justizsoftware ist faktisch ein Duopol in vielen Bereichen, flankiert von vielen kleinen Nischenanbietern.

7.1 Marktstruktur

Der Markt ist charakterisiert durch:

  • Hohe Eintrittsbarrieren: Komplexe regulatorische Anforderungen in 50 Bundesstaaten.
  • Konsolidierung: Große Player kaufen kleine auf, um das Produktportfolio zu erweitern.
  • Technologiewandel: Der langsame, aber stetige Wechsel von On-Premise (Server im Gerichtskeller) zu Cloud/SaaS.

7.2 Tyler Technologies vs. Journal Technologies

Eine vergleichende Analyse zeigt die unterschiedlichen Strategien:

Merkmal

Tyler Technologies (TYL)

Journal Technologies (DJCO)

Marktkapitalisierung

~24,9 Mrd. USD 12

~0,7 Mrd. USD 13

Umsatz (LTM)

~2,3 Mrd. USD 14

~0,09 Mrd. USD

Bewertung (EV/Revenue)

9x - 12x (historisch bis 14x)

~4x - 5x (implizit, siehe Abschnitt Bewertung)

Strategie

Breite Plattform (ERP, Tax, Courts), aggressives M&A. "Sales Machine".

Fokus auf Justiz/Case Management. Organisches Wachstum. "Product First".

Technologie

Oft Zukäufe älterer Tech-Stacks, die integriert werden müssen.

Homogenere Code-Basis durch organische Entwicklung (Java-basiert).

Marktanteil

Dominant in Gesamt-GovTech. Ca. 26.000 Installationen.4

Starker Challenger im High-End-Segment (große Gerichte).

Insight: Tyler ist der "sichere" Standardkauf für viele Kommunen. JTI wird oft gewählt, wenn Gerichte eine modernere, flexiblere Lösung suchen, die spezifische Anpassungen erlaubt. Tyler ist eine Vertriebsmaschine; JTI wird oft als technokratischer "Ingenieurs-Laden" wahrgenommen.


8. Unit Economics: Die verborgene Profitabilität

Aufgrund der fehlenden Segmentberichterstattung auf Granularitätsebene müssen die Unit Economics deduziert werden.

  • Customer Acquisition Cost (CAC): Die CAC sind absolut gesehen hoch (Reisekosten, monatelange RFP-Bearbeitung, Proof-of-Concepts). Relativ zum Vertragswert (Contract Value) sind sie jedoch attraktiv. Ein Vertrag über 10 Millionen USD über 10 Jahre rechtfertigt hohe Vorlaufkosten.
  • Lifetime Value (LTV): Der LTV ist extrem hoch. Bei einer Retention Rate von nahe 100 % und Inflationsanpassungen ist der Wert eines Kunden fast unbegrenzt ("Perpetuity").
  • Bruttomarge: Die Bruttomarge im Softwaregeschäft (nach Implementierung) liegt typischerweise bei 70–80 %. JTI weist derzeit niedrigere Margen aus, da die Implementierungskosten (Consulting) hoch sind und die Entwicklungskosten voll in die OpEx fließen.
  • Steady State: Wenn JTI das Wachstum drosseln würde (weniger Entwickler für neue Features, weniger Implementierungsteams), würde die operative Marge (EBIT) sofort auf 30–40 % springen. Investoren zahlen derzeit für das Wachstum und die "versteckte" Marge, die erst in der Zukunft sichtbar wird.

9. Kapitalallokation: Das Erbe von Charlie Munger

Die Kapitalallokation ist der Schlüssel zum Verständnis des "Conglomerate Discount", der auf der Aktie lastet.

9.1 Das Investmentportfolio

Das Portfolio konzentriert sich auf:

  • Wells Fargo (WFC) & Bank of America (BAC): Munger setzte auf die Oligopolstellung der US-Großbanken. Seine These: Nach der Finanzkrise sind die Banken besser kapitalisiert und rationaler. Sie besitzen eine implizite Staatsgarantie ("Too big to fail") und generieren hohe Renditen auf das materielle Eigenkapital. Das Portfolio profitierte massiv vom Zinsanstieg (höherer Zinsüberschuss der Banken) und der Erholung der Bankbewertungen 2024/2025.8
  • Alibaba (BABA): Eine kontroverse Position. Munger kaufte BABA als Value-Play ("The best retailer in the world"). Trotz geopolitischer Risiken und Kursverlusten hielt DJCO an der Position fest, was die Bereitschaft zeigt, gegen den Strom zu schwimmen und Volatilität zu tolerieren.7

9.2 Reinvestition ins Business

Seit Steven Myhill-Jones das Ruder übernommen hat, liegt der Fokus klar auf der Reinvestition in JTI.

  • Keine Dividenden: DJCO hat noch nie eine Dividende gezahlt und plant dies auch nicht. Das Kapital wird als "Treibstoff" für das Softwarewachstum oder als Reserve im Portfolio betrachtet.16
  • Aktienrückkäufe: Trotz Ermächtigung fanden 2024/2025 keine Rückkäufe statt.17 Dies deutet darauf hin, dass das Management das Kapital entweder für operative Zwecke benötigt oder die Aktie nicht als so dramatisch unterbewertet ansah, um Liquidität zu opfern.

10. Risiken: Eine kritische Betrachtung

Trotz der starken Marktposition bestehen signifikante Risiken.

  1. Key Man Risk & Nachfolge: Charlie Munger war das Gesicht der Firma. Sein Tod hinterlässt eine Lücke in der Investorenkommunikation und der strategischen Weitsicht. Ob das neue Management (Myhill-Jones, das Board) die gleiche Disziplin bei der Kapitalallokation aufbringt, muss sich erst beweisen.
  2. Klumpenrisiko im Portfolio: Ein systemischer Bankenschock oder eine Eskalation im US-China-Konflikt würde den Buchwert von DJCO massiv treffen (durch BABA und Banken). Da das Portfolio oft als Sicherheit für den Margin Loan dient, könnte ein Crash Liquiditätsprobleme verursachen (Margin Calls).
  3. Projekt-Desaster: In der GovTech-Branche gibt es das Risiko gescheiterter Implementierungen. Wenn ein Vorzeigeprojekt (wie LA Court) scheitert, wäre der Reputationsschaden fatal und könnte zu Schadensersatzklagen führen.
  4. Cybersecurity: Als Verwalter sensibler Justizdaten (Strafregister, versiegelte Akten) ist JTI ein Hauptziel für Hacker. Ein erfolgreicher Ransomware-Angriff könnte das Vertrauen der Kunden zerstören.

11. Bewertung (Valuation): Sum-of-the-Parts

Eine traditionelle KGV-Bewertung führt bei DJCO in die Irre. Die einzig sinnvolle Methode ist eine Sum-of-the-Parts (SOTP) Analyse.

Basisdaten (Januar 2026):

  • Aktienkurs: ~574 USD 18
  • Marktkapitalisierung: ~790 Mio. USD (bei 1,38 Mio. Aktien).
  • Schulden (Margin Loan): ~70 Mio. USD (geschätzt).
  • Cash: ~10 Mio. USD.
  • Enterprise Value (EV) Konzern: ~850 Mio. USD.

SOTP-Modellierung

Komponente

Methode

Schätzwert (Mio. USD)

Erläuterung

1. Wertpapierportfolio

Marktwert (Netto)

395

Portfolio (493 Mio. $) abzüglich 20% latente Steuern auf Gewinne.

2. Traditional Business

5x EBITDA

20

Konservativer Ansatz für ein stabiles, aber wachstumsarmes Zeitungsgeschäft (ca. 4 Mio. EBITDA).

3. Impliziter Wert JTI

(Marktkap + Debt - 1 - 2)

375

Der Wert, den der Markt aktuell der Software-Sparte zuschreibt.

Bewertungs-Check:

Der Markt bewertet JTI aktuell mit 375 Millionen USD. Bei einem Umsatz von 69,9 Millionen USD entspricht dies einem EV/Revenue-Multiple von 5,3x.

Vergleich:

Tyler Technologies handelt bei ca. 10x - 12x EV/Revenue.14 Private Transaktionen für missionskritische GovTech-Software liegen oft bei 6x - 8x.

Szenario:

Würde JTI mit dem Multiple von Tyler (konservativ 9x) bewertet, läge der Wert der Software-Sparte allein bei 630 Millionen USD.

Addiert man das Portfolio (395 Mio.) und die Zeitungen (20 Mio.) hinzu, ergibt sich ein Innerer Wert von 1.045 Millionen USD.

Das entspricht einem Kursziel von ~757 USD pro Aktie.

Fazit: Die Aktie wird mit einem Abschlag von ca. 25–30 % auf den inneren Wert gehandelt, was das "Konglomerats-Disagio" und die Unsicherheit über die neue Führung widerspiegelt.


12. Katalysatoren: Treiber der Wertaufholung

Was könnte diesen Abschlag auflösen?

  1. Accounting-Reform: Falls das Management dem Druck von Buxton Helmsley nachgibt und Entwicklungskosten aktiviert, würde das ausgewiesene EPS stark steigen. Algorithmen würden die Aktie neu bewerten.
  2. Kommunikationsoffensive: CEO Myhill-Jones beginnt, offener über die Metriken von JTI zu sprechen (Backlog, Churn, ARR). Mehr Transparenz führt oft zu einem höheren Multiple.
  3. Spin-Off: Eine Aufspaltung in "Daily Journal Investment Co." und "Journal Technologies Inc." würde den Wert sofort freisetzen, da Investoren gezielt in das Softwarewachstum investieren könnten.
  4. Übernahmeinteresse: Ein Private-Equity-Player (wie Thoma Bravo oder Vista Equity) oder Tyler Technologies selbst könnte JTI als ideales Übernahmeziel sehen. Der strategische Wert der Kundenbasis ist enorm.

13. Governance & Management: Die Post-Munger Ära

Die Governance-Struktur hat sich fundamental gewandelt.

  • Steven Myhill-Jones (Chairman & CEO): Er bringt als Software-Unternehmer das nötige operative Know-how mit, um JTI zu skalieren. Seine Incentivierung ist stark an den langfristigen Aktienkurs gekoppelt.19
  • Das Board: Mit Mitgliedern wie John Frank (Oaktree) und Mary Conlin ist das Board exzellent mit Finanzexperten besetzt. Die Wahl von Rasool Rayani (Software-Experte) stärkt die Tech-Kompetenz.20
  • Kultur: Die Kultur der Sparsamkeit und Rationalität bleibt bestehen. Es gibt keine teuren Firmenzentralen oder aufgeblähte Verwaltungsapparate.

Fazit

Die Daily Journal Corporation ist ein Missverständnis des Marktes. Investoren sehen einen verstaubten Zeitungsverlag mit einem Aktienportfolio. Die Analyse zeigt jedoch ein dynamisches, zweistellig wachsendes GovTech-Unternehmen (Journal Technologies), das unter der Oberfläche verborgen liegt.

Die Sicherheitsmarge durch das Aktienportfolio ist massiv. Investoren erhalten das Softwaregeschäft zu einer Bewertung, die weit unter der von vergleichbaren Wettbewerbern wie Tyler Technologies liegt. Wenn das Management die Transformation erfolgreich fortsetzt und der Markt die Ertragskraft der Software-Sparte realisiert (durch Wachstum oder verbesserte Kommunikation), bietet die Aktie ein signifikantes Aufwärtspotenzial bei begrenztem Risiko nach unten.

Für den geduldigen Investor, der Volatilität im Portfolio tolerieren kann und den langen Atem für die Software-Skalierung mitbringt, ist DJCO in meinen Augen eine der attraktivsten "Compounder"-Geschichten im aktuellen Marktumfeld.

Referenzen

  1. Daily Journal Corporation Announces Fiscal Year 2025 Financial Results - Stock Titan, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.stocktitan.net/news/DJCO/daily-journal-corporation-announces-fiscal-year-2025-financial-sxtober7m3vm.html
  2. Daily Journal Corporation Reports Record Revenue of $87.7 Million for Fiscal Year 2025, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.quiverquant.com/news/Daily+Journal+Corporation+Reports+Record+Revenue+of+%2487.7+Million+for+Fiscal+Year+2025
  3. djco20250930_10k.htm - SEC.gov, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/783412/000143774925038836/djco20250930_10k.htm
  4. A Boring, Charlie Munger Run Company | Daily Journal Corp Analysis : r/ValueInvesting, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.reddit.com/r/ValueInvesting/comments/wv43s9/a_boring_charlie_munger_run_company_daily_journal/
  5. djco20240930d_10k.htm - SEC.gov, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/783412/000143774924038552/djco20240930d_10k.htm
  6. DAILY JOURNAL CORP SEC 10-K Report - TradingView, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.tradingview.com/news/tradingview:c37fb37a3fe02:0-daily-journal-corp-sec-10-k-report/
  7. DAILY JOURNAL CORP Top 13F Holdings - WhaleWisdom, Zugriff am Januar 11, 2026, https://whalewisdom.com/filer/daily-journal-corp
  8. Daily Journal Portfolio | Charlie Munger 13F Holdings & Trades - HedgeFollow, Zugriff am Januar 11, 2026, https://hedgefollow.com/funds/Daily+Journal
  9. Unlocking Shareholder Value Through Enhanced Financial Transparency and Strategic Partnership - Public now, Zugriff am Januar 11, 2026, https://docs.publicnow.com/viewDoc.aspx?filename=44235\EXT\B49BAB443756795638C97D7F4064749BDE8D5DB6_E16B37624C955AD4C1903B3D35997EBFCA4C6822.PDF
  10. Daily Journal Corp. (S.C.) (DJCO) - Common Shares Outstanding (Annual) - AlphaQuery, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.alphaquery.com/stock/DJCO/fundamentals/annual/common-shares-outstanding
  11. 2024 annual report - Daily Journal Corporation Investor Relations, Zugriff am Januar 11, 2026, https://ir.dailyjournal.com/hubfs/djco/governance/DJCO_ANNL2024.pdf?hsLang=en
  12. FASTFACTS - Tyler Technologies, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.tylertech.com/Portals/0/Tyler-Fast-Facts-2025.pdf
  13. Daily Journal (DJCO) Market Cap Today: Live Data & Historical Trends - Public Investing, Zugriff am Januar 11, 2026, https://public.com/stocks/djco/market-cap
  14. Tyler Technologies - Public Comps and Valuation Multiples, Zugriff am Januar 11, 2026, https://multiples.vc/public-comps/tyler-technologies-valuation-multiples
  15. Charlie Munger's Final Portfolio — Daily Journal Corp, Q3 2025 - Voronoi, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.voronoiapp.com/investing/Charlie-Mungers-Final-Portfolio--Daily-Journal-Corp-Q3-2025-7343
  16. [Transcript] Charlie Munger speaks at the Daily Journal Corporation Annual Shareholders Meeting 2023 - Steady Compounding, Zugriff am Januar 11, 2026, https://steadycompounding.com/transcript/djco23/
  17. DAILY JOURNAL CORP 10-K Filing FY25 - stockinsights.ai, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.stockinsights.ai/us/DJCO/10-K/fy25-ee92
  18. DJCO Stock Price Quote & News - Daily Journal - Robinhood, Zugriff am Januar 11, 2026, https://robinhood.com/stocks/DJCO
  19. djco20231227_def14a.htm - SEC.gov, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/783412/000143774925000726/djco20250108_def14a.htm
  20. Daily Journal Corp shareholders elect new directors - Investing.com, Zugriff am Januar 11, 2026, https://www.investing.com/news/sec-filings/daily-journal-corp-shareholders-elect-new-directors-93CH-3883056

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